Jahresbericht
des Referates VHF/UHF/SHF für 1996

Heinz-Günter Böttcher, DK2NH


Im Jahr 1996 war ein großer Arbeitsumfang zu bewältigen.


IARU-Region-1-Konferenz

Bis zum 29.02.96 mußten die Themenpapiere für die Konferenz erstellt und in übersetzter Form an das Sekretariat der Region 1 übergeben werden.

Das Referat hat insgesamt neun Tagesordnungspunkte mit zum Teil umfangreichen Papieren vorgelegt. Diese Papiere wurden Ende Januar in der endgültigen deutschen Version dem Vorstand vorgelegt.

Die Erstellung der Übersetzungen erwies sich als langwierig, weil inhaltliche Abstimmungen erforderlich waren. Besonderer Dank geht an Angelika Voss, DF2XV, vom Auslandsreferat und ihrem Mann Nigel, die sich bei den Übersetzungen sehr engagiert haben.

Im Frühjahr wurden zwei Papiere vom Vorstand zurückgezogen. Es waren Papiere zu Packet-Radio und Shareware. Eine Diskussion über diese Papiere mit dem Referat fand nicht statt.

Die Teilnahme an der Konferenz durch Hellmuth Fischer, DF7VX, und den Referenten DK2NH war sehr positiv. Die personelle Konstanz beim DARC e. V. und das große Vertrauen in die Umsetzungsfähigkeit der IARU-Beschlüsse haben aus Sicht des Referates einen erfolgreichen Verlauf bewirkt. Wenn auch nicht jede Detailposition umgesetzt werden konnte, so ist zu vermerken, daß die Vorschläge des DARC Eingang gefunden haben.

Hervorzuheben sind die nach über zwölf Jahren Diskussion beschlossenen Bandplanänderungen im Bereich 144–145 MHz und die Einführung des 12,5-kHz-Rasters im 2-m-Band.

Die Bandplanänderungen konnten durch hartnäckiges Verhandeln und durch die Kompromißbereitschaft auf allen Seiten beschlossen werden. Das nachhaltige Wirken des DARC e. V. hatte die letzten Zweifler umstimmen können. Der DARC ist daher in der besonderen Pflicht, die Beschlüsse umzusetzen.

Der Zeitplan zur endgültigen Einführung des 12,5-kHz-Systems im 2-m-Band, wie auch im 70-cm-Band, mit dem seit langem bestehenden IARU-FM-Standard 12K0F3E, war nach der Annahme des Vorschlages 1993 nur noch eine letzte Abrundung.

Unmittelbare Auswirkungen hat dies z. Z. nicht. Die vorhandenen Geräte erlauben mit geringen Einschränkungen den Weiterbetrieb. Von Seiten der Industrie ist nicht zu erkennen, daß die bisherige Gerätetechnik für die weltweit produzierten Geräte geändert wird. Entsprechende Nachfragen des Referates wurden negativ beschieden.


Konsolidierung der Referatsarbeit

Die Arbeit des Referates wurde in gleicher personeller Besetzung wie im Vorjahr fortgesetzt. Der Versuch, einen jüngeren qualifizierten OM für digitale Betriebsarten zu integrieren, ließ sich wegen der persönlichen und beruflichen Situation des OM nicht verwirklichen.

Die Mitarbeiter sind sehr engagiert und erlauben durch selbständige Arbeitsweise in den Sachgebieten eine hohe Effizienz. Die Bearbeitung von Koordinationen läuft weitgehend problemlos, da in zahlreichen Distrikten sehr engagiert vorgearbeitet wird. Dennoch ist das hohe Anspruchsdenken mancher AntragsteIler und die immer noch zu nachlässige Erstellung von Anträgen nicht befriedigend.

Zum Jahresende konnte jedoch ein deutlicher Trend zu verkürzter Bearbeitungszeit erkannt werden. Durch moderne Rechner und z. T. abgestimmte Arbeitsabläufe ist den Sachbearbeitern eine zügige Bearbeitung möglich. Unproblematische und gut vorbereitete Anträge wurden umgehend abgearbeitet. Dies drückt sich auch in der schnellen Abarbeitung der Anträge anläßlich der Arbeitstagungen aus.

Im Jahresverlauf wurde ein neuer Antragsvordruck für automatisch arbeitende Stationen erstellt. Dieser ist künftig obligatorisch, da auch das BAPT seine Arbeit darauf einstellt.

Vorteilhaft wirkt sich die Konzentration auf die Außenstelle Rostock des BAPT aus. Fortgefallene regionale Zwischenstationen erlauben zunehmend, problembehaftete Vorgänge auf der Sachbearbeiterebene zu bewältigen.

Leider mußte der Sachbearbeiter für die ATV-Koordination, Josef Grimm, DJ8PI, zum Jahresende aufhören. Josef hatte bereits vor längerer Zeit signalisiert, daß seine berufliche Situation eine weitere Mitarbeit nicht zuläßt. Dennoch hat er alle Vorgänge bis Ende 1996 in gewohnter sachlicher und engagierter Weise abgewickelt.

Josef hat mit kurzer Unterbrechung viele Jahre für den Amateurfunk, insbesondere im Komplex ATV, und für das Referat als Sachbearbeiter gewirkt. Seine fachliche wie menschliche Kompetenz zeichneten ihn aus.
Abschließend führt Josef als Beweggründe für seinen Rückzug auch die Tendenzen in der ATV-Szene an, die knappen Frequenzressourcen nicht immer sachgerecht und effizient verwendet zu sehen. Seine außerordentlichen Bemühungen, durch sachliche Argumentation den Kontakt zwischen dem Referat und der AGAF zu erhalten, brachten ihm viel Gehör, machten ihn jedoch auch zur Zielscheibe unsachlicher und persönlicher Angriffe. Er hat sich ganz von ATV zurückgezogen.


Frequenzausschuß

Auf Wunsch des Vorstandes und gestützt auf die Meinungsbildung im Amateurrat wurde die Aufgabenstellung zur Schaffung eines Frequenzplanungsausschusses begleitend fortgeführt.

Mehrere Gespräche mit dem Vorstand erbrachten Aufklärung über eine grundsätzliche Vorgehensweise und die Rahmenbedingungen für die Arbeit eines solchen Ausschusses. Die Auffassungen über die Aufgabenstellung und die Arbeitsweise konnten im Jahr 1996 nicht abschließend geklärt werden.

Die unklare Situation für die Aufgabenstellung des DARC e. V. im Rahmen einer neuen Durchführungsverordnung zum Amateurfunkgesetz und unzureichende Information über die Verfahrensweise in der Außenvertretung Richtung BAPT und IARU, sowie die Einbindung der regionalen Interessen der Distrikte, führten auch zum Jahresende zu keinem Ergebnis. Eine Arbeitsgruppe unter Mitwirkung von Referatsmitgliedern ist derzeit noch in der Diskussion.


Koordinationsarbeit

Die Bedingungen für die Koordinationsarbeit werden durch die Durchführungsverordnung und die Verwaltungsanweisung vorgegeben. Die Ermittlung geeigneter Frequenzen, welche die Vorgaben der IARU-Region 1 erfüllen, gestaltet sich zusehends schwerer. Die Möglichkeiten, insbesondere im 70-cm-Band, sind weitgehend ausgeschöpft.

Erschwerend kommt die rechtswidrige Sperrung des ISM-Bereiches für jede Art automatischer Stationen hinzu. Die Kenntnis spezieller Wünsche seitens der Funkamateure und die Möglichkeiten, innerhalb der IARU noch denkbare Nutzungen zu ergründen, wurden vom Referat genutzt. Die Beschlüsse der Mitgliederversammlung vom Herbst 1996 und die kongruenten Vorschläge der IARU erlauben einige Möglichkeiten für automatische Stationen ohne große Verdrängungseffekte umzusetzen. Die Fernmeldeverwaltung muß diesen Wünschen jedoch noch zustimmen, da die bisherigen Grundlagen für die Genehmigung automatischer Stationen ausgeweitet wurden. Es erscheint dem Referat zweckmäßig, eine generelle Klärung mit dem BAPT herbeizuführen, bevor aufwendige Koordinierungsarbeit geleistet wird. Auch eine veränderte Arbeitsweise der Verwaltung im Rahmen der gesetzlichen Neuregelung kann hier noch Einfluß ausüben.

Generell ist anzumerken, daß seitens der Fernmeldeverwaltung relativ lange Bearbeitungszeiten bei alten Anträgen zu erwarten sind, die eine besondere Genehmigung erfordern. Diese Prüfungen haben ihre Ursache in der verstärkten Nutzung der sekundären Frequenzbänder durch die primären Nutzer.

Dies fand u. a. Ausdruck darin, daß im 23-cm-Band der Bereich 1247–1263 MHz für jede Art automatischer Stationen gesperrt wurde. Ursache war rücksichtsloses Verhalten von ATV-Relaisbetreibern.

Ebenfalls gesperrt wurde der Bereich 10.400–10.500 MHz für automatisch arbeitende Sendestationen. Einwände des zivilen primären Nutzers wegen systemverwandter Technik machten diese Einschränkung erforderlich. Das Referat hatte bereits vor Jahren auf diese, sich anbahnende Situation hingewiesen und von ATV-Sendern im oberen Bandbereich abgeraten.

Versuche wurden unternommen, die fiktive Sperre für digitale Anwendungen im 13-cm-Band durch Antragsverfahren in einem Teilbereich zu hinterfragen. Die bisherigen Anträge wurden positiv beschieden. Das Referat wird von dieser Möglichkeit vermehrt Gebrauch machen. Voraussetzung ist allerdings die Bereitschaft der antragstellenden Funkamateure, diese Option durch Weiterentwicklung der Technik für das 13-cm-Band zu nutzen.


Veranstaltungen

Zu den Aufgaben des Referates gehört die Präsenz auf zahlreichen Veranstaltungen. Die Mitarbeiter haben mit vorbildlicher Bereitschaft das Referat in Dorsten, München, Friedrichshafen, Weinheim, Hannover, St. Englmar, Dortmund und Saarbrücken vertreten. Zusätzlich wurden zahlreiche regionale Veranstaltungen besucht, Auskünfte gegeben und aktuelle referatsbezogene Informationen verteilt.

Im Rahmen des zur Verfügung stehenden Etats wurden alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Dazu gehörten auch mehrere Besuche bei Dienststellen des BAPT.

Der Informationsfluß im Referat ist durch das gute persönliche Verhältnis der Mitarbeiter problemlos. Es war immer möglich, durch Verteilung der Aufgaben termingerecht zu reagieren. Die Zusammenarbeit mit der Redaktion CQ DL gestaltet sich positiv. Verständnis und Vertrauen der beteiligten Personen zeigten sich auch bei der Reflektion von Themen, deren Auswirkung sorgfältig betrachtet werden mußte.

Die für die Zusammenarbeit mit CQ DL und Öffentlichkeitsarbeit neu im Referat mitarbeitende YL Manuela Karlitz, DF7QK, wird diesen Weg weiter ausbauen. Die technischen Möglichkeiten, vor allem für die Zuarbeit zur CQ DL, werden 1997 verbessert.

Insgesamt ist der zunehmende Einsatz zeitgemäßer technischer Hilfsmittel positiv zu werten. Leider werden dadurch kaum operative Kosten vermieden.


DSI

Die langfristige europäische Frequenzplanung im Rahmen der DSI hat keine grundsätzlich neuen Erkenntnisse gebracht. Der Zwischenstand der Phase 2, die sich mit dem Bereich 29,7–960 MHz befaßt, läßt die vorsichtige Hoffnung zu, daß im 430-MHz-Band keine einschneidenden Veränderungen zu erwarten sind. Das Verfahren liegt jetzt beim europäischen Frequenzmanagement. Einzelheiten sind bislang nicht bekannt geworden. Die Diskussion um das 70-cm-Band ist auf europäischer Ebene jedoch noch nicht abgeschlossen. Als sicher ist anzunehmen, daß die angestrebte Verlagerung von ISM-Anwendungen keinen Erfolg zeigen wird. Dennoch ist positiv zu sehen, daß für Sicherheitsanwendungen mit SRDs (Short Range Devices) der Bereich 868,1–870 MHz künftig vorgesehen wird.

Durch Hinweise zur aktuellen ISM-Situation an den zuständigen Bereich des Hauses Siemens konnte Unterstützung dahingehend gegeben werden, diesen zukunftssicheren Frequenzbereich für neue Anwendungen zu finden.


SAR

Im Rahmen einer ITU-Arbeitsgruppe im BAPT wurde für ein Erderkundungs-Satellitensystem eine Stellungnahme zur möglichen Beeinflussung des Amateurfunks erstellt. Diese Thematik konnte auch anläßlich der IARU-Region-1-Konferenz mit dem bei der ARRL zuständigen OM Paul Rinaldo vertieft werden. Bei diesen Satelliten handelt es sich um niedrig fliegende Satelliten, sog. LEO. Die beabsichtigte Nutzung mit einem SAR, Syntetic Aperture Radar, stellt als Einzelereignis noch keine große Bedrohung für den beabsichtigten Frequenzbereich im 70-cm-Amateurfunkband dar. Weiterungen solcher Anwendungen können dennoch zu einem Problem werden. Es stellt sich aus Sicht der ARRL die Frage, mit welcher Art Anwendung der Amateurfunk am problemlosesten partagieren könnte.


Fazit

Das Referat hat die unverändert hohe Beanspruchung durch den Einsatz aller Beteiligten zufriedenstellend bewältigen können. Die z. T. weitreichenden beruflichen Beanspruchungen auftretenden Schwierigkeiten machen die Arbeit künftig nicht leichter. Die Freiräume in öffentlichen und vergleichbaren Institutionen werden für ehrenamtliche Tätigkeiten geringer. Das Referat ist bemüht, durch die kontinuierliche Einbindung jüngerer Mitarbeiter, einen kontinuierlichen Ablauf zu bewirken. Wie eingangs ausgeführt, sind Rückschläge nicht zu vermeiden. Zum Jahresende 1996 wurde diese Problematik erneut akut. Ein junger engagierter Funkamateur wollte wegen persönlicher Angriffe die Mitarbeit beenden. Es bleibt zu hoffen, daß der OM durch behutsames Heranführen dem Referat erhalten bleibt.

Stellvertretend für alle Mitarbeiter möchte ich meinem Vertreter Hellmut Fischer, DF7VX, danken. Sein unermüdlicher Einsatz für die Weiterentwicklung der „schönsten Nebensache der Welt“ hat es mir ermöglicht, die Aufgabe des Referenten wahrzunehmen. Der ständige Dialog und die große Übereinstimmung in den Sachfragen erlauben selbständiges, vertrauensvolles Handeln. Dadurch ist es möglich geblieben, in Übereinstimmung mit privaten Notwendigkeiten, dieses Ehrenamt zu bewältigen.


Abschrift und Archiv-Bearbeitung: DC7XJ


Inhalt 1997 Rundspruch-Archiv

HV-Protokoll 1997