DEUTSCHLAND-RUNDSPRUCH DES DARC NR. 24/15 VOM 18.06.2015

Redaktion: Stefan Hüpper, DH5FFL, vom Amateurfunkmagazin CQ DL


ÜBERSICHT:


Norm zu Photovoltaik-Wechselrichtern verschafft Linderung bei der Störsituation

Die CISPR 11 mit dem griffigen Titel "Industrielle, wissenschaftliche und medizinische Geräte - Funkstörungen - Grenzwerte und Messverfahren" umfasst auch leistungselektronische Geräte, also etwa solare Wechselrichter. Für diese galten zwar in der Vergangenheit bereits Grenzwerte für die leitungsgeführte Störspannung am Netzanschluss, nicht jedoch für die Anschlüsse zu den Solarzellen. Nach positiv verlaufener Abstimmung in den internationalen Normungsgremien wird nun offiziell die CISPR 11 Edition 6.0 erscheinen. In dieser Neufassung gelten nun Grenzwerte, nämlich 74 dBµV zwischen 500 kHz und 30 MHz, auch für die DC-Anschlüsse, insbesondere auch für Anlagen bis 20 kVA in Wohnumgebungen (Klasse B).

Durch intensive Arbeit der IARU in den Normungsgremien in den vergangenen fünf Jahren konnte dieses Ziel nun erreicht werden. "Aber die Arbeit in Bezug auf Photovoltaik endet hier noch nicht", so Thilo Kootz, DL9KCE, EMC-Koordinator der IARU, "die Grenzwerte werden derzeit noch validiert, indem die tatsächliche Abstrahlung der Anlagen im Computermodell untersucht wird. Es ist möglich, dass man nach dieser Validierungsphase die Grenzwerte noch einmal nachjustiert. Mit den jetzigen Grenzwerten wurde jedoch schon einmal ein weitgehender Schutz für den Kurzwellenempfang erreicht."

Die CISPR ist ein internationales Sonderkomitee für Funkstörungen, ein Teil der IEC, also der Internationalen Elektrotechnischen Kommission. In der CISPR wiederum engagiert sich zusätzlich die IARU als internationale Organisation an den Beratungen.


DARC-Ehrenmitglied Dr. Dietrich Seyboth, DJ2MG, Silent Key

Mit großem Bedauern hat der DARC e.V. vom Tod seines Ehrenmitglieds Dr. Dietrich Seyboth, DJ2MG, erfahren, der in der Nacht des 16. Juni gestorben ist. Mit DJ2MG verliert der Amateurfunkdienst in Deutschland einen verdienten OM. Jahrgang 1936 und seit 1952 DARC-Mitglied, bekleidete er im Bundesverband für Amateurfunk viele Ämter. So war er zunächst von 1956 bis 1964 OVV Schwabach, von 1970 bis 1973 OVV Erlangen, stellvertretender DV Franken (B) von 1971 bis 1973 sowie im Anschluss von 1973 bis 2001 Distriktsvorsitzender. Über 14 Jahre war er als stellvertretender Amateurratssprecher und im Amateurrat in diversen Ausschüssen des DARC tätig; darunter Haushalt-, Diplom-, Personal-, Ehrennadel- und CQ DL-Ausschuss. Doch damit nicht genug: 1995 war er Initialgeber des neu gegründeten Landesjugendverbandes Bayern im DARC. Weiterhin fungierte er als Delegierter und Sprecher des DARC e.V. bei Tagungen der IARU. OM Seyboth verstand es, seine Ämter mit Geschick und Diplomatie zum Erfolg zu führen. Am 10. September 2002 erhielt DJ2MG von Staatsminister Zehetmaier während einer Feierstunde im Bayerischen Staatsministerium in München das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Damit wurde er sowohl für sein engagiertes und erfolgreiches berufliches Wirken am Physikalischen Institut der Universität Erlangen-Nürnberg als auch für sein engagiertes Wirken um den Amateurfunk geehrt. Die Ehrenmitgliedschaft wurde ihm am 1. Juli 2008 verliehen, und im Jahr 2012 wurde er für seine 60-jährige Mitgliedschaft im DARC e.V. geehrt.


Hans-Jürgen Bartels, DL1YFF, Silent Key

Mit großer Anteilnahme hat der DARC e.V. vom Tod eines weiteren OMs erfahren, der sich im Bundesverband für Amateurfunk (DARC), besonders in den Jahren 2001 bis 2005 verdient gemacht hatte: Hans-Jürgen Bartels, DL1YFF, ist am 16. Juni im Alter von 71 Jahren gestorben. In den DARC e.V. trat er am 1. Oktober 1992 ein, "relativ spät", da er sich lange Zeit in vielen exotischen Ländern weltweit aufhielt. Diese Freude spiegelte sich auch in Form vieler DXpeditionen in seinem späteren Amateurfunkleben wider. Es war während eines Heimaturlaubs von Afrika, als er mit Hilfe eines Crash-Kurses die Amateurfunkgenehmigung erwarb. Auf seiner Internetseite schrieb er in seinem bekannten laxen Stil: "Wenn ich nicht die A-‚Lizenz' kriege, will ich wenigstens die B haben. Das hat dann ja auch geklappt." Die damalige Amateurfunkklasse B war mit ihren Betriebsrechten höher gestellt als die damalige Klasse A. Mit der Position des stellvertretenden OVV Bielefeld (N01) übernahm er am 29. Januar 1998 das erste Amt im DARC e.V., welches er bis zum 30. Juni 2001 innehatte. Am 12. Mai 2001 wurde er in den DARC-Vorstand als dessen Mitglied berufen und bekleidete das Amt bis zum 24. September 2005. OM Bartels verstand sich stets als Ansprechpartner und greifbares Vorstandsmitglied, weil er viele Stunden auf den Bändern zubrachte. So wirkte er auch an der Etablierung des bundesweiten Funkertags mit, den die Funkamateure seit 2003 bis heute im Juni zelebrieren. Nach seiner Tätigkeit im DARC-Vorstand wurde er am 16. Februar 2012 bis zu seinem Lebensende dann OVV Bielefeld (N01). Aber auch in anderen Amateurfunkverbänden legte er ein hohes Engagement zutage, so in der Rhein Ruhr DX Association (RRDXA), die er bis zuletzt beim Runden Tisch Amateurfunk (RTA) vertrat.


Weitere Aktionen zur HAM RADIO

Europas größte Amateurfunkmesse HAM RADIO – die in diesem Jahr vom 26.–28.06. auf dem Messegelände Friedrichshafen am Bodensee zum 40. Mal stattfinden wird – öffnet ihre Tore schon nächste Woche. Neben den bereits veröffentlichten Hinweisen zum Messegeschehen in den DARC-Medien sind auch die folgenden Aktionen von Interesse.

Anlässlich seines 65-jährigen Bestehens ließ der DARC e.V. in diesem Jahr eine Jubiläumsbriefmarke in begrenzter Anzahl von 2000 Stück auflegen. Zudem kann man ein Sonderblatt erwerben, welches in einer limitierten Auflage von 500 Stück vorliegt. Dieses enthält auch einen kurzen geschichtlichen Abriss über die bedeutendsten Entwicklungen des Amateurfunkverbandes. Auf der Messe hat jeder Besucher die Möglichkeit, sich die seltenen Sammlerstücke zu sichern. Die seltenen Marken sind am Stand der DARC-Geschäftsstelle in Halle A1, Stand 460-4, erhältlich und werden am Messe-Freitag von 09:00–15:00 Uhr von einem Mitarbeiter der Deutschen Post vor Ort gestempelt. Sonderblatt und Marken werden zu einem geringen Europreis abgegeben.

Anlässlich des Messemottos zeigt das Wiener Dokumentationsarchiv Funk eine Ausstellung in Halle A1/Stand 220. Beim Hörer- und Freundestreffen am Messe-Samstag um 12:00 Uhr im Raum Schweiz erinnert DokuFunk unter dem Titel "WIR SIND MIR" an das Projekt AUSTROMIR 1991 mit dem österreichischen Kosmonauten Franz Viehböck an Bord der Raumstation MIR. Garantiert wird neben vieler, auch neuer Sachinformation eine typisch österreichische Orbit-Kuriositätenschau. Darüber informiert Wolf Harranth, OE1WHC, vom Dokumentationsarchiv Funk.

Für Samstag ruft der DX- und HF-Funksportreferent Enrico Stumpf-Siering, DL2VFR, zu einem Gruppenfoto mit allen Operatoren auf, die unter den Jubiläums-Rufzeichen DL65DARC, DK65DARC und DJ90IARU gefunkt haben. Treffpunkt ist um 13:45 Uhr links neben der Aktionsbühne an der Aufgangstreppe im Messefoyer.

Um 15:00 Uhr am gleichen Tag lädt das Internationale JOTA Pfadfinder-Team alle Pfadi-Operator und interessierte Funkamateure zu einem JOTA-Treffen auf ihren Stand A1-464 in der Halle A1 ein. Darauf weist Karlo Schaper, DD7OI, hin.

Im Anschluss der HAM RADIO wird es erstmals eine australisch-österreichische Mikrowellen-DXpedition geben. Die beteiligten Funkamateure Alan, VK3XPD, David, VK5KK, Wolfgang, OE4WOG, und Hans, OE2JOM, wollen in der Folgewoche möglichst viele EU-Stationen arbeiten. Als Standorte sind Berge im Bodenseeraum vorgesehen. Folgendes Betriebsszenario ist geplant: 28.–30.06. Betrieb unter anderem vom Pfänder in OE9, Locator JN47VM, mit Versuchen auf den Bändern von 5,6 bis 122 GHz. Am 01. oder 02.07. Standortwechsel auf die Zugspitze nach JN57LK, hier will man auf allen Bändern QRV werden. Am 04. und 05.07. ist man zurück am Pfänder, um am 3. Subregionalen Contest von 2 m bis 122 GHz teilzunehmen. Für Skeds ist man per E-Mail [alandevlin@bigpond.com, oe4wog@oevsv.at] oder unter dem Rufzeichen OE4C im ON4KST-Chat erreichbar.


SAQ geht zum Alexanderson-Tag auf Sendung

Am 28.06. geht der Längstwellensender SAQ im schwedischen Grimeton auf 17,2 kHz wieder auf Sendung. Die Erzeugung des HF-Signals erfolgt mit einem historischen Maschinensender. Die erste SAQ-Sendung ist für 09:00 UTC vorgesehen, wobei man bereits um 08:30 UTC mit dem Abstimmprozess beginnen wird. Die zweite Sendung will man um 12:00 UTC über den Äther schicken, wobei um 11:30 UTC mit dem Abstimmprozess begonnen werden soll. Parallel will man unter SK6SAQ in CW auf 7035 und 14 035 kHz sowie 3755 kHz in SSB Betrieb auf den Amateurfunkbändern machen. Vor Ort feiert man den Alexanderson-Tag in der Zeit von 10 bis 16 Uhr Lokalzeit. Weitere Informationen gibt es auf der SAQ-Webseite [www.alexander.n.se].


Aktuelle Conteste

20.06.: AGCW-DL VHF/UHF Contest
20.–21.06.: JARL All Asian DX Contest und Ukrainian Classic RTTY Contest
27.–28.06.: King of Spain Contest und Ukrainian DX DIGI Contest

Die Ausschreibungen finden Sie auf der Webseite des DX und HF-Funksportreferates [www.darc.de/referate/dx] sowie mittels der Contesttermin-Tabelle in der CQ DL 6/15 auf S. 60.


Funkwetterbericht (16.06. de DL1VDL)

Rückblick vom 09.–15.06.:
Die Sonne war durch die beiden Sonnenflecken 2360 und 2367, die insgesamt drei M-Flares beisteuerten, etwas aktiver als in der Vorwoche. Die 10-cm-Radiostrahlung schwankte nur leicht zwischen 131 und 140 solaren Fluxeinheiten. Schaut man auf grafische Darstellungen der Solardaten, so erkennt man bei allen Mittelwerten, die über 30 oder 90 Tage gebildet werden, dass die Gesamtaktivität der Sonne - ganz in unserem Sinne - nur langsam geringer wird. Das geomagnetische Feld war nur am 11. und 12.06. kaum gestört, ansonsten zappelten die Magnetometer ganz deutlich. Ursächlich waren weniger die täglichen Filament-Ereignisse als die koronalen Löcher als Quellen für intensiven Sonnenwind. Die Kurzwellenausbreitung bot neben täglichen Short-skip-Bedingungen infolge Sporadic-E wieder nachts offene obere Bänder. Selbst auf 24 MHz konnte man um Mitternacht noch Signale aus der Karibik hören. 20, 17 und 15 m waren an mehreren Tagen nachts durchgängig offen. Auf 40 m gab es laute Graylinesignale aus Fernost und Afrika.

Vorhersage bis zum 22.06.:
Die Sommersonnenwende liegt unmittelbar vor uns. Eigentlich schade, dass dann der Terminator bereits wieder rückläufig wird. Bis zum 24.06. wird die komplexere Region 2369 eventuell noch C- oder M-Flares spendieren, sodass die Fluxwerte im gegenwärtigen Bereich bleiben. Wir haben also Hoffnung auf ähnlich brauchbare bis gute DX-Bedingungen. Wir erwarten ein meist ruhiges Erdmagnetfeld, wobei dann die atmosphärische Wetterlage über das QRN entscheidet.

Orientierungszeiten für Grayline DX, alle Zeiten in UTC:
Sonnenaufgang: Auckland/Neuseeland 19:32; Melbourne/Ostaustralien 21:34; Perth/Westaustralien 23:15; Singapur/Republik Singapur 22:59; Tokio/Japan 19:24; Honolulu/Hawaii 15:49; Anchorage/Alaska 12:17; Johannesburg/Südafrika 04:53; San Francisco/Kalifornien 12:47; Stanley/Falklandinseln 12:04; Berlin/Deutschland 02:42;
Sonnenuntergang: New York/USA-Ostküste 00:29; San Francisco/Kalifornien 03:34; Sao Paulo/Brasilien 20:28; Stanley/Falklandinseln 19:51; Honolulu/Hawaii 05:15; Anchorage/Alaska 07:37; Johannesburg/Südafrika 15:23; Auckland/Neuseeland 05:10; Berlin/Deutschland 19:32.


Ende des DL-Rundspruch 24/15 vom 18.06.2015

Archiv-Bearbeitung: DC7XJ

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