DEUTSCHLAND-RUNDSPRUCH DES DARC NR. 31/11 VOM 04.08.2011

Redaktion: Stefan Hüpper, DH5FFL, vom Amateurfunkmagazin CQ DL


ÜBERSICHT:


ARISSat-1 mit leichter Verzögerung gestartet

Nach einer fast vierstündigen Verzögerung haben Kosmonaut Sergei Volkov, RU3DIS, und Alexander Samokutyaev den neuen Amateurfunksatellit ARISSat-1/KEDR am 03.08. im Weltraum ausgesetzt. Er befand sich bereits seit Ende Januar in der Raumstation ISS und sollte am 16.02. seine Mission beginnen. Nach der Terminverschiebung auf Anfang August gab es eine weitere Verzögerung: Ursprünglich sollte das Aussetzen bereits um 14:57 UTC stattfinden, aufgrund von Antennenproblemen geschah das erst vier Stunden später: Laut US-Missionskontrolle in Houston hat ARISSat-1 zwei Antennen - eine für 70 cm und eine für 2 m - aber die beiden Kosmonauten stellten nur eine fest.

Nach Diskussionen mit dem Nutzlast-Manager und Bodenteams in Houston und Moskau entschied man sich, den Aussetzvorgang zu verzögern. Zu dem Zeitpunkt war vollkommen ungewiss, ob der Satellit überhaupt während des geplanten Außenbord-Einsatzes ausgesetzt werden kann. Die nächste Gelegenheit hätte sich erst im Februar 2012 ergeben. "Der Satellit soll nach seinem Start auch funktionieren, deshalb wurde er für seine Mission gesichert", hieß es aus Kreisen der US-Missionskontrolle.

Der Verlust der UHF-Antenne bedeutet nun, dass der 435-/145-MHz-Linear-Transponder nicht funktioniert und einige Daten nicht vom Satelliten heruntergeladen werden können. Funkamateure werden jedoch in der Lage sein, Sprachnachrichten, BPSK- und SSTV-Nachrichten zu empfangen.

Der Satellit arbeitet nun auf folgenden Frequenzen: Unter dem Rufzeichen RSØ1S wiederholen sich auf dem FM-Downlink 145,950 MHz zyklische FM-Sendungen mit Sprach-ID, ausgewählte Telemetrieblöcke, 24 internationale Grußbotschaften sowie SSTV-Bilder. Ebenfalls unter RSØ1S werden auf 145,919 MHz/145,939 MHz ausgewählte Telemetrieblöcke und Rufzeichen beteiligter Funkamateure am ARISS-Programm gemorst. Die BPSK-Sendungen auf 145,920 MHz sind mit dem neuen 1kBPSK-Protokoll von Phil Karn, KA9Q, codiert. Wenn die CW3-Bake auf 145,919 MHz aktiv ist, bedeutet das, dass das BPSK-1000-Format ausgesendet wird. Wenn die CW1-Bake auf 145,939 MHz aktiv ist, wird im BPSK-400-Format gesendet.

Nach dem Aussetzen von der ISS benötigt die AMSAT nun Ihre gesammelte Telemetrie, da diese Daten nicht auf dem Satelliten gespeichert werden. Diese kann z.B. per eMail eingesendet werden [1]. Wenn Sie mit der Software ARISSatTLM Telemetrie live empfangen, aktivieren Sie bitte die Option "Telemetry forwarding". Aktuelle Datenblöcke kann man über das Internet auch auf dem Computer oder mit dem Smartphone anzeigen lassen [2]. Die AMSAT hat auf einer Webseite [3] eine Anleitung veröffentlicht, die u.a. über SSTV- und BPSK-Empfang informiert. ARISSat-1/KEDR-Projektmanager Gould Smith, WA4SXM, betonte, dass der Satellit im Sonnenlicht im Highpower-Modus arbeitet. Im Erdschatten wird er hingegen mit wenig Leistung senden.


Finale der YL-WM: Über 150.000 QSOs

Mit einem großen YL-WM-Finale schloss die große deutsche YL-Funkaktivität anlässlich der Frauen Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland am 31.07. Insgesamt kamen über 150.000 QSOs ins Log. Alle YL-Sonderstationen waren in den verschiedensten Betriebsarten auf den Bändern noch ein letztes Mal zu hören. Dank gilt allen YLs, OM und SWLs, die sich an dieser großen YL-Aktion beteiligt haben. Noch bis zum 31.12. können Diplomanträge gestellt werden. Weitere Informationen gibt es auf der DARC-Webseite [4].


Lutz Kalle, DJ4VF, Silent Key

Am Samstag, dem 30.07., ist der Distriktsvorsitzende von Westfalen Süd (O), Lutz Kalle, DJ4VF, für uns alle überraschend im Alter von 73 Jahren gestorben. Lutz Kalle war mehr als 26 Jahre im Amateurrat vertreten und stand seit 1997 dem Haushaltsauschuss vor. Wir verlieren mit Lutz ein sehr aktives Mitglied des Amateurrates, dessen Erfahrungen von allen geschätzt wurden. Die Beisetzung wird im engsten Kreise stattfinden. Die Familie bittet darum, von Beileidsbekundungen abzusehen.


Sondersendung des Längstwellensenders SAQ

Die Betreiber des Längstwellensenders SAQ im schwedischen Grimeton kündigen für den 05.08. eine Sondersendung an. Die Aussendungen auf 17,2 kHz beginnen um 08:30 UTC mit den Abstimmarbeiten des Maschinensenders, um 09:00 UTC folgt die eigentliche Aussendung. Lars Kalland, SM6NM, weist darauf hin, dass für diese Sondersendung keine Empfangsbestätigungen nötig sind und auch nicht ausgewertet werden.


ILLW nicht gleich ILLW

Der DL-Rundspruch vergangene Woche berichtete über ein Lighthouse and Lightship Weekend, kurz ILLW, am 06. und 07.08. Einige Leser wiesen die Redaktion darauf hin, dass der ILLW-Termin am dritten Augustwochenende der bekanntere sei. Karsten Radwan, DL2ABM, fasst in einer eMail die Sachlage zusammen:

Seit etwa Mitte der 90er Jahre gibt es das ILLW am dritten August-Wochenende. Verwendet wurden die ARLHS-Lighthouse-Nummern, beginnend mit den Buchstaben FED. Nach dem Tod des Organisators Mike, GM4SUC, haben sich die Veranstalter und die ARLHS überworfen, woraufhin die ARLHS die Verwendung ihrer Nummern beim ILLW untersagt hat. Anschließend behaupteten zwei Gruppen, die Ausrichter des ILLW zu sein und es existierten plötzlich zwei scheinbar identische Webseiten illw.org und illw.net. Letztere hat die Aktivität am dritten August-Wochenende zum Ziel. Seit der Kontroverse werden im ILLW eigene Nummern aufgebaut und verwendet, beginnend mit den Buchstaben DE. Auf der Webseite der Aktivitätsgruppe Wolfsburg-Gifhorn gibt es ein Informationsblatt [5].


BEMFV kurz erklärt. Heute Teil 17: Winkeldämpfungen

Michael, DL5IB, sandte folgende Frage ein: "Wann macht die Berücksichtigung von Winkeldämpfungen im Rahmen der Anzeige nach BEMFV überhaupt Sinn?"

Antwort: Entscheidend für die Richtungsabhängigkeit einer Antenne sind die in der Umgebung befindlichen Objekte, vor allem der Boden. Auf den Kurzwellenbändern ist dieser im Vergleich zur Wellenlänge immer sehr nahe, sodass die Richtwirkung einer Antenne erheblich von dessen Einfluss abhängig ist und Winkeldämpfungen, die letztlich auf Freifeldbeobachtungen im Fernfeld basieren, kaum angewandt werden können. Bei Yagiantennen auf den höheren Frequenzen hingegen liegen fast Freiraumbedingungen vor, weshalb die Nutzung von Winkeldämpfung fast ein Muss ist. Insbesondere im 2-m-Band macht deren Nutzung erheblichen Sinn, insbesondere wenn die Antenne hoch genug angebracht ist, um über die nachbarlichen Häuser hinweg zu strahlen. Denn der freie Luftraum kann zum kontrollierbaren Bereich deklariert werden, auch, wenn er über Fremdeigentum liegt. Zu beachten ist dann allerdings die erste Nebenkeule, weshalb eine vollständige Betrachtung der Strahlungscharakteristik von Nöten ist.


Aktuelle Conteste

06.08.: European HF Championship
06./07.08.: DARC UKW-Sommer-Fieldday und North American QSO Party
13./14.08.: WAE DX Contest
14.08.: Norddeutscher Höhentag

Die Ausschreibungen finden Sie auf der Webseite des DX und HF-Funksportreferates [dx] sowie mittels der Contesttermin-Tabelle in der CQ DL 8/11 auf S. 591.


Funkwetterbericht (02.08. de DL1VDL)

Rückblick vom 26.07.–01.08.:
Während in den vergangenen Wochen oftmals fünf bis zehn Sonnenflecken nur Präsenz zeigten, sorgten nun die beiden Flecken 1.260 und 1.261 für eine merkliche Belebung der Sonnentätigkeit. Im Berichtszeitraum stieg der solare Flux von 94 auf 125 Einheiten, die Sonnenfleckenzahl von 30 auf 130 und es gab drei M- und mehr als 60 C-Flares. Das geomagnetische Feld war an allen Tagen leicht bis mäßig gestört, am 30.07. gab es in hohen Breiten eine Radioaurora. Die Fernausbreitung auf den mittleren Frequenzen zwischen 7 und 18 MHz war gut und stabil, man konnte praktisch täglich alle Kontinente erreichen. Auf den oberen Kurzwellenbändern 15, 12 und 10 m dominierten zwar transäquatoriale DX-Öffnungen, aber im Gegensatz zur Vorwoche gab es auch brauchbare Öffnungen in alle Richtungen. Auf 80 m konnte man abends kurzzeitig über Grayline Australien mit lautem Signal hören und arbeiten. Sporadic-E-Bedingungen überraschten uns fast täglich auf 10 und 6 m.

Vorhersage bis zum 09.08.:
Der Aufwärtstrend in der Sonnenaktivität hält zunächst an, vier komplexe Fleckengruppen sind präsent. Wir erwarten solare Fluxwerte bis etwa 130 und je nach Flaretätigkeit eher ein meist unruhiges Erdmagnetfeld. Die Ausbreitungsbedingungen auf den Kurzwellenbändern von 40 bis 10 m werden noch etwas besser als in der Vorwoche sein. Die Wahrscheinlichkeit für sporadische E-Schichten ist hoch.

Orientierungszeiten für Gray-Line DX, jeweils in UTC:
Sonnenaufgang: Auckland/Neuseeland 19:18; Melbourne/Ostaustralien 21:19; Perth/Westaustralien 23:04; Singapur/Republik Singapur 23:05; Tokio/Japan 19:49; Honolulu/Hawaii 16:05; Anchorage/Alaska 13:34; Johannesburg/Südafrika 04:45; San Francisco/Kalifornien 13:15; Stanley/Falklandinseln 11:32; Berlin/Deutschland 03:28;
Sonnenuntergang: New York/USA-Ostküste 00:09; San Francisco/Kalifornien 03:16; Sao Paulo/Brasilien 20:45; Stanley/Falklandinseln 20:35; Honolulu/Hawaii 05:09; Anchorage/Alaska 06:30; Johannesburg/Südafrika 15:42; Auckland/Neuseeland 05:36; Berlin/Deutschland 18:55.


Verzeichnis der Internetadressen

[1] telemetry@arissattlm.org
[2] http://www.arissattlm.org/mobile
[3] http://www.amsat.org/amsat-new/ARISSat/ARISSatHowTo.php
[4] http://www.darc.de/ylwm
[5] http://awg.net.ms, Links unter Veranstaltungen und Aktivitäten/Informationen zum ILLW
[dx] http://www.darc.de/referate/dx


Ende des Deutschland-Rundspruchs 31/11 vom 04.08.2011

Archiv-Bearbeitung: DC7XJ

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