Kiel, den 22.2.1962

Ortsverbands-Rundschreiben

Nr. 2/62


ÜBERSICHT:


1) Amateurfunk-Notnetze während der Flutkatastrophe

Als sich die ersten katastrophalen Folgen der Sturmflut im Nordseeküstengebiet am vergangenen Wochenende abzuzeichnen begannen, stellte sich in den betroffenen Gebieten sofort auch zahlreiche Funkamateure zur Verfügung. Einige waren mit ihren Mobilstationen sogar von weither gekommen.

Mit ihrer Hilfe konnten in Hamburg drei Notnetze zum Ersatz für ausgefallene Fernsprechleitungen und zur Entlastung der behördlichen Funkverbindungen aufgebaut werden. Sie verdankten ihr Entstehen insbesondere der Initiative von DJ1FK, DJ1UB, DL9LJ und DJ1GE. Eine Leitstelle befand sich beim Bezirksamt Mitte im Hamburger City-Haus in der Nähe des Hauptbahnhofs. Dort war die Station von DJ1UB aufgebaut, an der DJ1FK, DJ1UB und DJ3FL arbeiteten. Für die Durchgabe der aufgenommenen Sprüche hatte sie einen eigenen Fernsprechanschluß bekommen. Sie stand in Verbindung mit Mobil-, Portabel- oder Fest-Stationen in Finkenwerder (DL9LJ und DJ6OR), Waltershof (DJ3RP und DJ3RQ) und Altenwerder (DJ5SI und DJ6PS). Als Relaisstationen fungierten erforderlichenfalls DLØHM mit DJ1GE und DJ3BX, sowie DJ1WT und DJ2JS. Weitere Netze gingen aus vom Bezirksamt Bergedorf mit Leitstelle DLØHH/DL1RX zu verschiedenen Mobilstationen, und vom Bezirksamt Harburg mit Leitstelle DLØHB zu DJ4BQ und DJ6ZD.

Bis Montagnacht wurden auf diesen Netzen über 500 Sprüche übermittelt. Auch an vielen anderen Stellen standen Funkamateure bereit. Sie brauchten aber offenbar nicht in Aktion zu treten, weil entweder die Nachrichtenlage es nicht erforderte, oder die zuständigen Stellen nicht auf sie zurückgriffen.

Der Einsatz der Funkamateure ist im Moment noch nicht in allen Einzelheiten bekannt. Daher ist es zu früh für einen abschließenden Bericht und für Folgerungen aus den gemachten Erfahrungen. Allen beteiligten OM möchte der DARC aber schon an dieser Stelle seinen ganz besonderen Dank und seine aufrichtige Anerkennung für ihre Bereitschaft und für ihre Leistungen aussprechen. In der Presse fand ihr Einsatz auch bereits seine Würdigung.


2) OSCAR-Vorhaben

Das "HI" des ersten Amateurfunksatelliten OSCAR I war bis zu seiner 282. Erdumkreisung am 30.12.1961 zu hören. Der Träger konnte dann noch etwa zwei Tage lang bis zur 312. Runde beobachtet werden.

Alle inzwischen beim DARC-Referat für Amateurfunkbeobachtungen eingegangenen Berichte über OSCAR I sind mittlerweile an die Auswertezentrale der OSCAR-Association in Kalifornien weitergeleitet worden, von wo sie mit einer Sonder-QSL bestätigt werden sollen. Mitte Februar lagen dort bereits über 4.300 Berichte aus aller Welt vor, die jetzt ausgewertet werden. Ein erster Überblick soll im Aprilheft der QST erscheinen. Das DL-QTC wird ihn zu gegebener Zeit veröffentlichen und auch eine spezielle Auswertung der deutschen Beobachtungen bringen.

Der zweite Amateursatellit OSCAR II wird voraussichtlich im April starten. Er wird allerdings noch nicht, wie ursprünglich geplant, mit Einrichtungen für gespeicherten Funkverkehr versehen sein, sondern im wesentlichen OSCAR I gleichen, dem er jedoch eine etwas höhere Leistung (300 mW) und dauerhaftere Batterien voraushaben soll. Auch soll die Zeichenfolge bei ihm länger werden. Für die Beobachtungsmeldungen wird es wieder besondere Formulare geben, die aber einfacher sein sollen, als die für OSCAR I verwendeten. Alle Einzelheiten sind aus den AFB-Mitteilungen im nächsten DL-QTC ersichtlich.


3) Aus der IARU

a) Nach der Aufnahme der "Korean Amateur Radio League" gehören der IARU jetzt 57 nationale Verbände an. Als 58. Mitglied hat die "Association Radio-Amateurs Libanais" die Aufnahme beantragt.

b) 1961 erteilte die IARU insgesamt 1.418 WAC-Diplome gegenüber 1.801 im Vorjahr. Der Rückgang wird auf die ungünstigeren Ausbreitungsbedingungen zurückgeführt. 832 Diplome wurden für CW (davon 5 nur auf 3,5 MHz und 1 nur auf 50 MHz) und 586 für Fonie (davon 162 für SSB) ausgegeben.

c) Die zweite Europäische Fuchsjagd-Meisterschaft wird "Savez Radioamatera Jugoslavije" im Auftrag der IARU-Region 1 am 10./11.08.1962 in Anakaran an der Adria, 80 km südwestlich von Laibach veranstalten. (Einzelheiten im nächsten DL.QTC)

d) Im August 1961 ist im Senat der USA ein Gesetzentwurf über die Lizenzierung von Ausländern eingebracht worden, über den der Kongreß im Laufe seiner nächsten Sitzungsperiode entscheiden soll. Bei Annahme würden Ausländer, deren Heimat US--Amateuren Lizenzen gibt (Deutschland tut das bekanntlich), bei einem Aufenthalt in den USA Amateursendegenehmigungen erhalten können. Bisher war die Lizenzierung vom Besitz der US-amerikanischen Staatsangehörigkeit abhängig.

e) Die "Associazione Radiotecnica Italiana" teilt mit, daß die italienischen Behörden künftig 55 $ für jede neue Amateurlizenz und zwischen 21 und 26 $ für jede jährliche Erneuerung erheben wollen. Die ARI hat im Interesse aller italienischen Funkamateure gegen diese unverständlich hohen Gebühren protestiert und versucht, sie auf dem Verhandlungsweg abzuwenden. Falls die Regelung aber tatsächlich eingeführt wird, wollen die italienischen Amateure ihren Betrieb auf unbestimmte Zeit einstellen, um die übrige Welt auf das Verhalten ihrer Behörden aufmerksam zu machen.


4) Schwarzsender

Bekanntlich verlieren die Warnungen der Bundespost und des DARC vor dem Schwarzsenden häufig dadurch ihre Wirkung, daß Schwarzsender in der Presse glorifiziert und, wenn es zu einer Gerichtsverhandlung gegen sie kommt, manchmal reichlich milde behandelt werden. Ursache dafür ist meistens eine gewisse Unkenntnis der Zusammenhänge in der Öffentlichkeit; Schwarzsenden wird allenfalls als Kavaliersdelikt angesehen.

Um dieser weitverbreiteten Einstellung zu begegnen, hat die DARC-Pressestelle kürzlich eine Stellungnahme verbreitet, die von Fachzeitschriften und überregionalen Zeitungen auch aufgegriffen worden ist. Die lokale Tagespresse erreicht der Verteiler aber nicht unmittelbar. Gerade dort erscheinen aber oft Artikel, die das Schwarzsenden beschönigen. In solchen Fällen ist umgehend Richtigstellung nötig. Dazu ist aber im allgemeinen nur der jeweilige Ortsverband in der Lage, weil der betreffende Aufsatz bei anderen DARC-Stellen entweder gar nicht oder erst so spät bekannt wird, daß eine Berichtigung nicht mehr aktuell ist.

Damit die OV-Vorsitzenden auf solche Situationen vorbereitet sind, wird diesem Rundschreiben die oben erwähnte DARC-Pressemitteilung beigefügt. Alle OVVs werden gebeten, sie bei Anlaß sinngemäß zu verwenden. Noch besser wäre es natürlich, wenn sie auch ohne akuten Vorgang gelegentlich in den lokalen Zeitungen erscheinen würde.


5) DOK-Liste

Nach Abschluß der Distriktsteilungen im Ruhrgebiet bzw. in Südbayern und der damit verbundenen DOK-Änderungen konnte jetzt endlich die schon seit langem fällige neue DOK-Liste gedruckt werden. Sie wird dem nächsten DL-QTC beiliegen.


6) Morselehrgang auf dem 80-m-Band

Zur Vervollkommnung der Morsekenntnisse der Lizenzanwärter wird der Distrikt Nordrhein einen drahtlosen Morsekursus durchführen. Die Ausstrahlung übernimmt DL1OW.

Der Lehrgang beginnt am Sonnabend, dem 10.03.1962 um 16:00 Uhr auf ca. 3.530 kHz. Weitere Sendungen finden an jedem Sonnabend zur gleichen Zeit auf der selben Frequenz statt. Der Übungstext wird technischen Charakter haben.

Für Empfangsberichte wäre DL1OW (OM Hans-J. Trappenberg, .....) sehr dankbar. Seine Zuhörer können ihm auch  die aufgenommenen texte einsenden. Wenn sie eine frankierte und adressierte Antwortkarte beifügen, wird DL1OW ihnen darauf ihre Fehlerzahl mitteilen.


7) DL-QTC für OV-Büchereien

In letzter Zeit erkundigten sich verschiedene Ortsverbände danach, ob und zu welchen Bedingungen sie das DL-QTC für ihre OV-Bibliothek beziehen könnten. Dazu hat der Geschäftsführende Vorstand jetzt entschieden, daß Ortsverbände. die eine eigene Bücherei unterhalten, dafür das DL-QTC in einem Exemplar und jeweils für die Dauer eines Jahres kostenlos erhalten können. Entsprechende Anträge sind an die Geschäftsstelle zu richten. In dem Antrag muß ausdrücklich erklärt werden, daß der Ortsverband über eine OV-eigene Bibliothek verfügt, die allen Mitgliedern zur Verfügung steht, und daß das beantragte Freiexemplar ausschließlich dafür bestimmt ist und auch später in der OV-Bibliothek verbleiben wird. Falls dem Antrag entsprochen wird, wird das Exemplar an den OVV zusammen mit seinem eigenen Heft geliefert werden. Die jeweils auf ein Jahr befristete Freilieferung kann erstmals ab 01.04.1962 erfolgen. Nachlieferungen früher erschienener Hefte ist nicht möglich.


8) Beiträge für das 1. Quartal 1962

...


9) Berichtigungen und Ergänzungen zum Organisationsplan vom 16.12.1961

DOK: Ortsverband:
A14 Schwarzwald G. Zobel, DJ4DN
C25 Erding H. Groschenberger, DL9EV
C08 Oberland H. Ausländer, DJ4KJ
G05 Eschweiler H. Houck, DE14309
R04 Hilden K. Niepenberg, DL3FL
K14 Landa L. Jung, DJ3XL
L DX-Referent: E. Fleig, DJ1UE
L UKW-Referent: H. Gilfert, DL3FR
L Mobilreferent: G. Kandora, DJ4HO
L Jugendreferent: A. Fries, DL6NU
Q03 Neunkirchen W. Ruth, DL8DB
M09 Neumünster J. Laschko, DL6PX
T01 Augsburg O. Ammer, DL3GX
O18 Werdohl O. Laut, DJ5US
P07 Reutlingen S. Seiler, DJ3VI


Mit VY 73, gez. Hansen, DL1JB


Reprint: DC7XJ


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