Kiel, den 17.1.1955

Ortsverbands-Rundschreiben

Nr. 1/55


ÜBERSICHT:


1) Berufsgliederung im DARC

Die im OV-Rundschreiben Nr. 11/54 gestellte Rundfrage nach der beruflichen Gliederung ist von etwa 55 % der Ortsverbände beantwortet worden, denen für ihre Mitarbeit an dieser Stelle nochmals herzlich gedankt sei. Die auf diese Weise ermittelten Angaben beziehen sich auf etwa 60 % aller Mitglieder, können also als einigermaßen repräsentativer Querschnitt gewertet werden. Es ergibt sich danach folgendes Bild:

Beruf DL/DJ-DE
in %
Sonstige
in %
Gesamt
in %
HF-Wissenschaftler 1,6 0,4 1,1
HF-Ingenieure und Techniker 12,3 2,9 8,5
HF-Rundfunk- und Fernsehmechaniker 14,0 9,0 12,1
HF-Studenten und Lehrlinge 5,2 3,3 4,4
EL-Wissenschaftler 0,3 0,1 0,2
EL-Ingenieure und Techniker 4,0 2,9 3,5
EL-Mechaniker, Installateure usw. 8,7 11,4 9,9
EL-Studenten und Lehrlinge 2,9 2,9 2,9
Berufsfunker 2,3 0,2 1,4
Wissenschaftler (ohne HF + EL) 0,6 - 0,3
Ingenieure und Techniker (ohne HF + EL) 3,6 3,1 3,4
Ärzte 1,6 1,1 1,4
Rechtsanwälte 0,2 0,1 0,2
Geistliche 0,2 0,1 0,1
Studienräte, Lehrer 2,7 1,0 2,0
Studenten (ohne HF + EL) 2,0 2,4 2,2
Beamte und Behördenangestellte 8,6 4,7 7,0
Kaufleute, Bank- und kaufm. Angestellte 9,0 9,8 9,3
Handwerker, Industriearbeiter 9,3 15,4 11,8
Bauern, Landwirte, Landarbeiter 0,4 0,7 0,5
Künstler, Musiker usw. 0,5 0,3 0,4
Lehrlinge (ohne HF + EL) 1,4 3,8 2,4
Schüler 2,9 10,0 5,8
Sonstige Berufe 5,7 14,4 9,2



100,0 100,0 100,0

Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß ein Ortsverband sich nach Abstimmung ausdrücklich gegen die Abgabe der erbetenen Meldung entschied, da die Mitglieder befürchteten, die Angaben wären für staatliche Stellen bestimmt und würden von diesen ausgewertet. Ganz abgesehen davon, daß diese Befürchtung jeder Grundlage entbehrt, hat der Staat bestimmt andere Möglichkeiten, sich derartige Unterlagen zu verschaffen.


2) Das 160-m-Band

Im Zusammenhang mit dem Transatlantik-Test auf diesem Band sind wieder mehrere OM mit der Bitte an den DARC herangetreten, eine Freigabe dieses Bandes für deutsche Funkamateure zu erwirken.

Nach dem Internationalen Fernmeldevertrag Atlantic City 1947 ist das 160-m-Band nur für die Region II und III freigegeben, während in der Region 1 (Europa und Afrika) nur einzelne, ausdrücklich genannte Länder – darunter England, aber leider nicht Deutschland – das Recht erhielten, Amateurverkehr auf diesem Band zuzulassen.

Da Deutschland an diesen Vertrag gebunden ist, hat die Deutsche Bundespost nicht die Möglichkeit, Amateurlizenzen für das 160-m-Band zu erteilen. Sie wäre dazu erst in der Lage, wenn durch eine internationale Vereinbarung die Frequenzverteilung von Atlantic City entsprechend geändert würde. Das ist jedoch eine Frage, über die frühestens auf der nächsten internationalen Funkkonferenz entschieden werden kann. Aus den genannten Gründen war es der Bundespost auch beim besten Willen nicht möglich, für die Dauer des Transatlantik-Tests befristete 160-m-Lizenzen zu erteilen.

Daß es Staaten gibt, die den Vertrag von Atlantic City nicht unterschrieben haben und daher nicht als für sich verbindlich betrachten, ist kein Geheimnis und eine der Ursachen für die Zustände auf allen Frequenzbereichen (der im DX-MB erwähnte pakistanische Rundfunksender ist dafür ein Beispiel von vielen). Das darf aber nicht dazu führen, daß nun auch die Vertragspartner selbst sich nicht mehr an die Verträge halten. Dann würden internationale Verträge völlig ihren Wert verlieren, und ein noch viel größeres Chaos, als es jetzt schon herrscht, wäre die Folge.


3) Das DX-MB

Vor einiger Zeit wurde im DL-QTC angekündigt, daß das DX-MB auch an die Ortsverbände künftig nur noch gegen Bezahlung geliefert werden könne. Im Hinblick auf die Beitragserhöhung und den in diesem Zusammenhang von vielen Ortsverbänden geäußerte Wunsch bleibt es jedoch bei der bisherigen Regelung, nach der das DX-MB allen Rundschreiben-Empfängern kostenlos mitgeliefert wird.


4) Amerikanische Amateurfunk-Literatur

In vielen größeren Städten der Bundesrepublik bestehen sogenannte Amerika-Häuser, deren Bibliotheken teilweise auch Bücher und Zeitschriften aus dem Gebiet des Amateurfunks führen. Mit besonderen Bücher-Autos versorgen die Bibliotheken auch die weitere Umgebung. Für die Ortsverbände bietet sich hier eine gute Möglichkeit, ohne besondere Kosten an die sie interessierende amerikanische Amateurfunk-Literatur heranzukommen. Es empfiehlt sich daher, einmal mit dem nächstgelegenen Amerika-Haus in Verbindung zu treten oder die Bekanntmachungen in der örtlichen Presse zu beobachten.


5) Verspätung des DL-QTC

Das verspätete Erscheinen der Januar-Nummer hat verständlicherweise einige Verärgerung ausgelöst, zumal die OM dadurch die Einzelheiten der neuen Beitragsregelung zu spät erfuhren, um noch von der gebotenen Ermäßigungsmöglichkeit Gebrauch machen zu können. Die Verzögerung wurde vom Verlag damit begründet, daß der Druckerei wegen einer allgemeinen Verknappung auf diesem Sektor nicht rechtzeitig der für den Umschlag erforderliche Kunstdruckkarton zur Verfügung stand.


6) Organisationsplan des DARC

Diesem Rundschreiben liegt ein neuer Organisationsplan bei. Der Plan vom 15.1.1954 ist damit überholt. Ergänzungen werden monatlich an dieser Stelle bekanntgegeben.


7) Grüße aus dem Ausland

OM Koch, ex DL1EQ, und seine Gattin, ex DL1EQM, sowie OM Tränkle, ex DL6IM, grüßen auf diesem Wege alle deutschen OM mit den besten Wünschen für 1955.


Anlage: Organisationsplan vom 15.1.1955


VY 73, gez. Hansen, DL1JB


Abschrift und Archiv-Bearbeitung: DC7XJ


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