Z 5 vom 01.05.1946


1.     Aus dem neuen Postmerkbuch für Postbenutzer, herausgegeben von der Reichspostdirektion Kiel, interessiert uns folgendes:

In der britischen Besatzungszone gibt es neun selbständige Reichspostdirektionen mit dem Sitz in Braunschweig, Bremen, Dortmund, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, Kiel, Köln und Münster/Westf. Eine Zentralverwaltung für das Post- und Fernmeldewesen, der die aufgeführten RPD unterstellt sind, befindet sich als Oberpostdirektion in Bad Salzuflen.

Die aufgeführten Zensurbestimmungen besagen u. a., daß in einem Geschäftsbrief keinerlei persönliche Mitteilungen, in der Privatkorrespondenz nur solche enthalten sein dürfen von der Person, die als Absender auf dem Umschlag erscheint. Die Unterschriften müssen mit dem vollen Namen unterzeichnet sein, der bei geschäftlichen Mitteilungen in Maschinen- oder Druckschrift unter der Unterschrift zu wiederholen ist.

Geheimschriften aller Art, Symbole und andere Mittel, verdecktem Inhalt Ausdruck zu geben, sind verboten.

Bei Telegrammen müssen auch 3. Personen, die im Text mittelbar oder unmittelbar erwähnt werden, auf dem Formular mit Namen und Anschrift vermerkt werden. Wenn diese 3. Personen oder auch Firmen in irgendwelchem Verhältnis zum Absender oder Empfänger stehen, ist auch dieses anzugeben.

Im Zusammenhang mit Schadenersatzfragen werden folgende Gebiete als Jetziges Ausland bezeichnet: Ostpreußen, Hinterpommern, Schlesien, Wartheland, Sudetenland, Österreich usw.


2.     In Stuttgart soll jetzt eine Zeitschrift Radiospiegel erscheinen.


3.     Die Fa. Hermann Reuter, Bad Homburg a.d.H., Castillistr. 16, liefert wieder Quarze, auch an Privat. Preise, z. B. für ZF-Kristall 468 kHz 48,- RM, 100-kHz-Standard-Quarz (±0,02 %) 40,- RM.

Die Leitung der Fa. Telefunken für die brit. Zone in Göttingen hat kürzlich neue Röhrenpreise herausgegeben. Danach soll z. B. eine AF7 12,- RM kosten. Jetzt ist aber die Auslieferung von Röhren wieder gestoppt, angeblich wegen vorgesehener neuer Preiserhöhungen.


4.     Die Practical Wireless berichtet von einer Röhrenfabrik die unter dem alten Reichstagsgebäude in 20 m Tiefe aufgefunden wurde und deren Röhrenlager der RAF zugeführt wird. Ebenso soll den Siemens-Röhrenfabriken größte Aufmerksamkeit geschenkt werden. 150.000 Röhren wurden dort bereits beschlagnahmt, während mehr als 500.000 halbfertige aufgefunden wurden.


5.     Bei einem hiesigen Rundfunkhändler wurden kürzlich von einem engl. Offizier als Beauftragten, 2 Radione-Kofferempfänger (Wehrm.-Typ) als Eigentum der MilReg beschlagnahmt. Nachdem sich herausgestellt hatte, daß einer davon keinen 2. Überlagerer besaß, wurde er zurückerstattet.


6.     Rundfunkgeräte brit. Herkunft dürfen von engl. Soldaten zollfrei nach Großbritannien eingeführt werden. Für Geräte ausländischer Herkunft ist dagegen Zoll zu entrichten in Höhe von 33 % des Neuwertes. Die Verkaufssteuer auf in England neu hergestellte Rundfunkgeräte beträgt 33 % des Großhandelspreises.


7.     Seit einiger Zeit sind in England "dual crystals" erhältlich, die unter Verzicht auf allerhöchste Genauigkeit longitudinal auf 100 kHz, transversal aber auf 1 MHz schwingen. Für Eichzwecke besonders im UHF-Gebiet kommen natürlich die Oberwellen von 1 MHz kräftiger und sind eindeutiger zu bestimmen. Ein Eichoszillator mit einer Penthode und einem dual-crystal im Gitterkreis ist nur im abgestimmten Schirmgitterkreis umschaltbar, während der Anodenkreis RC-Ausgang hat.


8.     Während des Krieges ist in England der "Franklin-Masters-Oscillator" bekannt geworden, eine Senderschaltung, die ihren Namen nach dem Entwickler C. S. Franklin von der Marconi Company trägt. Wegen ihrer bestechenden Einfachheit und der gegenüber einem ECO wesentlich erhöhten Stabilität erscheint sie für Amateurzwecke besonders geeignet. Sie verwendet zwei Trioden in RC-Kopplung, wobei der einseitig geerdete Schwingkreis mit seinem anderen Ende über kleine Kondensatoren (0,5–2, max. 6 pF) einmal mit dem Gitter der ersten, zweitens mit der Anode der zweiten Röhre verbunden ist. Die zur Erzielung der Selbsterregung nötige zweimalige Phasendrehung von 180° wird somit in den beiden Röhren erzeugt, wobei gegenüber einer Röhre erhöhte Verstärkung die im Interesse höherer Stabilität so lose Ankopplung des Schwingkreises bei Einsparung Rückkopplungswicklung ermöglicht. Parallel zum Steuergitter der 2. Röhre läßt sich das einer Pufferröhre anschließen. Bei Verwendung eines Kristalls anstelle eines Abstimmkreises oszillieren auch sonst kaum zum Schwingen zu bewegende Kristalle, wie z. B. ZF-Quarze. Der Abstimmkreis soll eine hohe Güte haben und eine große Kapazität aufweisen. Etwaige Rückwirkungen durch Belastungsänderungen oder Spannungsschwankungen können nach Untersetzung in den Gitterkreis dann höchstens im Verhältnis Koppelkapazität zu Abstimmungskapazität eingehen. Angeführte Werte sind: R je 1 M-Ohm, R je 25 k-Ohm, Kopplungs-C zwischen beiden Röhren 100 pF, U.. 80 Volt (verwendet waren im Beispiel Batterieröhren), Kathode hat Erdpotential. Für den Abgleich ist es nur nötig, die beiden Koppelkondensatoren des Schwingkreises solange zu verkleinern, bis stabile Schwingungen eintreten. Sie sollen annähernd gleiche Werte haben. Die Auslegung der Daten bezieht sich auf 1,75 und 3,5 MHz. Wegen der wünschenswerten hohen Verstärkung empfiehlt sich für höhere Bänder die Verwendung von Penthoden bei verringertem Außenwiderstand (wegen des steigenden Einflusses der Röhrenkapazität).


9.     Aus Meldungen der Tageszeitungen wurde Begriffe wie "Army 10 Set", Radar, "Fernsprechamt Mond" bekannt. Besonders die letzte Vorstellung mutet etwas reichlich phantastisch an. Es ist bekannt, daß bei Radar (mit dem in USA Reflektionen vom Mond erzielt wurden) u. a. zur Erzeugung der hohen Energien Impulstastung mit Frequenzen von 0,5–1 kHz angewandt wird und das scheint einer Telefonie zu widersprechen. Es ist aber durchaus möglich, Impulse wieder zu modulieren und zwar sowohl in der Amplitude, als auch zweckmäßiger in der Dauer oder der Pausenzeit. Während man nun sicher annehmen würde, daß wenigstens einige hundert Impulse nötig sind, um eine Periode der Modulationsfrequenz zu übertragen, genügen tatsächlich 3 (unter Anwendung besonderer Sorgfalt sogar nur 2) Impulse dazu! Das bedeutet also für hochqualitative Wiedergabe 30 kHz und für kommerzielle Telefonie 9 kHz als Impulswiederkehrfrequenz. Solange dabei die Impulsflanken genügend steil gehalten werden, ist die Linearität der Übertragungsanlagen belanglos und lassen sich zur Geräuschunterdrückung Amplitudenfilter mit gutem Erfolg verwenden. Der Nachteil es Verfahrens liegt in seiner außerordentlich hohen Bandbreite. Die höchste auftretende Frequenz ist von der gleichen Größenordnung wie die kürzeste Impulsdauer. Bei 5 kHz ModFreq und 80-%iger Modulation wird sie etwa 250 kHz für Zweiseitenbandsendung. Auf UHF spielt das aber keine besondere Rolle. Die Demodulation der Impulse erfolgt Bemerkenswerterweise durch ein einfaches Tiefpaßfilter. Die mathematische Analyse der breitenmodulierten Impulsreihe zeigt, daß in ihr die ModFreq nur von einer großen Anzahl höherer Frequenzkomponenten überlagert ist, von der die Impulswiederkehrfrequenz die niedrigste ist. Ein großer Vorteil des Systems ist es, durch geeignete Wahl der Impulsabstände andere Impulse in die Lücken einzuschachteln und damit Mehrkanalbetrieb durchführen zu können. Mit Erfolg wird dies beim engl. Fernsehsystem für gleichzeitige Übertragung von Bild und Ton, sowie im Army 10 Set durchgeführt, das mit 8 Kanälen auf cm-Wellen arbeitet. Die Army 10 Set-Entwicklung begann 1941. Beim schnellen Vorstoß der Alliierten in Frankreich war dank seiner Anwendung des taktischen HQ Montgomerys nie länger als eine Stunde ohne Verbindung mit dem "War Office" und mit seiner gesamten 21. Armeegruppe. Die Reichweite des Sets beträgt je nach Geländeverhältnissen 50–70 km (auf 30 km müßte man sonst allein 700 Telegrafenmasten rechnen, von Transportschwierigkeit, Aufbauzeit und Störanfälligkeit nicht zu reden). Durch geeignete Wahl des Aufstellungsortes (Abschirmung durch Hügel in Richtung Front) war taktisch völlige Abhörsicherheit und sogar vollständige Geheimhaltung der Existenz dieses Gerätes erzielt worden. Da im Gegensatz zu den Verkehrskurzwellen die UHF- und besonders die cm-Wellen die Heavisideschicht durchstoßen und außerhalb der Atmosphäre vermutlich wenig Störungen unterworfen sind, ist es möglich, daß trotz der wesentlich größeren Entfernungen die Dämpfungen auf dem Übertragungsweg kleiner sind, als bei den an der Heavisideschicht reflektierten Kurzwellen. Das Reflexionsmaß an Planeten (siehe Erde) ist zwar keineswegs ideal, doch nachdem überhaupt Reflexionen erzielt wurden, ist die Frage der Verkehrsausnutzbarkeit nur ein Problem der Sendeleistung (bei hoher Impulswiederkehrfrequenz) einerseits und der Verstärkung auf der Empfangsseite andererseits. Beide können sich lösen lassen. Bei Telefonie-Duplex-Verkehr würden sich nur die verhältnismäßig langen Laufzeiten (Erde-Mond-Erde etwa 2½ sek.) störend bemerkbar machen.


73 Mü.


Ende des Z 5 vom 01.05.1946

Abschrift und Archiv-Bearbeitung: DC7XJ

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