Z 3 vom 03.03.1946


1.     Der Alliierte Kontrollrat billigte in seiner 20. Sitzung am 20/2/46 einen Bericht des Koordinierungs-Ausschusses über den Umfang des industriellen Abbaus in Deutschland. Daraus interessiert uns besonders:

A) Die Produktion von folgenden Industrieerzeugnissen wird vollkommen eingestellt: 9) Rundfunksendegeräte.
C) Die Herstellung von Fernseh-Empfangsgeräten wird in Fabriken erlaubt, die einer unmittelbaren Kontrolle unterstehen.
E) Folgende Industrieerzeugnisse werden in ihrer Herstellung auf die Höhe der deutschen Friedenserfordernisse beschränkt: 8) Radio-Empfangsgeräte, die besonders nach Typen und Größen festgelegt sind.

2.     Am 1/3/46 ist für Hamburg und Schleswig-Holstein versuchsweise das Drahtfunksystem wieder eingeführt worden, jedoch auf Teilnehmer beschränkt, die bereits mit den entsprechenden Weichen ausgerüstet sind. Eine wilde Abhörmöglichkeit, wie beim Kriegs-Drahtfunksystem, wird damit ausgeschaltet.


3.     In der östlichen Besatzungszone ist anscheinend noch kein Kontakt wieder unter den OM zustandegekommen, doch soll sich dem Verlauten nach Prof. Dr. Leithäuser, früherer Ehrenpräsident des DASD, um den Neuaufbau einer Amateurbewegung bemühen.


4.     Aus der CQ Jan. 46 (herausgegeben von Radio Magazines, Inc. New York): Um eine gleichmäßigere Verteilung der US-Rufzeichen auf die einzelnen Distrikte zu erzielen, hat die FCC neue Einteilungen vorgenommen und einen 10. Distrikt mit der Kennziffer Ø eingeführt. Der Kennbuchstabe K wird gleich dem wohlbekannten W jetzt auch für kontinentale US-stns Anwendung finden. Allein dadurch wird sich für den erwarteten Ansturm auf die Amateurbänder die Anzahl der verfügbaren Lizenzen verdoppeln.

Das 25-cm-Band (!) hat eine neue Festsetzung von 1215–1296 Mc gefunden. Das 28-Mc-Band ist jetzt auch für den Amateurverkehr freigegeben, jedoch wird gewarnt vor Ausstrahlungen (der Vorstufen) auf 14 Mc, wie sie von FCC-Kontrollstationen festgestellt wurden.

Die erste Nachkriegsausgabe des Amateur Call Book ist für März 1946 vorgesehen. Preis $ 1,50 bis 15,–.

Der Radio Club of New York sammelt unter Post Office Box 48, Station C, New York 14, NY, amerikanische Amateurliteratur der vergangenen Jahre zur Weiterleitung an europäische Amateure.


5.     Die RSGB (Radio Society of Great Britain) hat im letzten Jahr 1.902 neue Mitglieder aufgenommen und umfaßt jetzt 9646 Mitglieder. Auf der diesjährigen Generalversammlung wurde als Präsident E. L. Cardener, G6GR, gewählt. Vizepräsident ist S. K. Lewer, G6LJ, Hon Treas.: A. J. H. Watson, G2YD, Hon. Sec.: H. A. M. Clark, G6OT, Hon. Editor: A. O. Milne, G2MI.

Die RSGB teilte ihren Mitgliedern mit, daß die Stationen, die während des letzten Kriegsjahres unter G7-calls Amateurwecken dienten. Das Arbeiten dieses Sonderdienstes wurde nach Kriegsende eingestellt. Außer diesen stns sind in England seit Kriegsausbruch keine Amateurstns genehmigt worden. Es werden jetzt aber Anträge für den Betrieb von Versuchsfunksendern an künstlichen Antennen (artificial licenses) wieder aufgenommen und die Zeitschrift Wireless World hofft, zusammen mit dem Erscheinen ihrer Februar-Nr. die Wiederausgabe einer guten Anzahl von Vorkriegslizenzen begrüßen zu können. Allerdings werden die langwelligeren Bänder vorläufig gesperrt bleiben und die Bedingungen unter denen neue Erst-Lizenzen ausgegeben werden sollen, sind auch noch nicht festgelegt.

In England gibt es außerdem noch die BSWL (British Short Wave League), die ihr HQ ebenfalls in London hat. Diese hat gerade für s 2½ ein Handbuch für Kurzwellenhörer herausgegeben (anscheinend nach der Art des Fuchs-Fasching) von dem sie jährlich eine neue Auflage zu liefern gedenkt.


6.     Anfang Jan. 46 veranstaltete die Physical Society in London ihre erste Nachkriegsausstellung. Dazu wurden Stimmen laut, die bemerkten: „Physics now seems to be just another name for wireless.“ In der Tat sollen außer in der optischen Abteilung kaum Stände zu sehen gewesen sein, die nicht hochentwickelte elektrische Meßgeräte wenigstens als Zubehör ausgestellt hätten. Die Wireless World gibt einen 5-seitigen Überblick, aus dem uns besonders interessiert:

An Röhren wurde gezeigt: 8-stiftige Preßglassockel-Röhren für alle Zwecke und Fernsehfrequenzen. Cossor bringt 1,4-V-Miniaturröhren, Ferranti Gastrioden mit kalter Kathode (Dauerstrom 4 µA, Spitzenstrom 20 mA, Zündspannung 5 V), Marconi-Osram zeigt Einzelheiten von Magnetrons, sowie die neuen „disc-seal“-Trioden. In den letzteren sind Kathode, Gitter und Anode scheibenförmig im Glaskolben angebracht, während die Ankoppelung durch außen umfassende Bänder erfolgt. Dadurch wird die Induktivität von inneren Zuführungen vermieden und erzielt, daß diese Röhren (z. B. CV273) bis 8½ cm oszillieren. Ein Gegentaktsender mit CV273 wurde gezeigt, der unter Verwendung eines Abstimm-Splitkondensators der neuen Schmetterling-Type einen Bereich von 120–33 cm überstreicht. Andere VHF-Geräte (very high frequency, d. h. Dezimeter- und cm-Wellen) umfaßten Sender und Wellenmesser mit Leitungs- und Hohlraumresonatoren, Hohlraumkabel in starrer Form und flexibel als Wellenleiter (waveguide), wobei Metallscheiben mit rechteckigem Ausschnitt so in einen Gummimantel eingebettet sind, daß die Lücken Resonanzräume bilden, die bei der Betriebsfrequenz eine hinrechend kontinuierliche Struktur ergeben.


7.     In England einschließlich Nordirland erreichte die Zahl der Rundfunkempfangsgenehmigungen 1945 eine Rekordhöhe von 9.884.300. Im Laufe von zwölf Monaten wurden rund 1000 Schwarzhörer mit Geldstrafen bis zu £ 10 (RM 400,–) belegt.


8.     In England sind jetzt etwa 70 Rundfunkgeräte- und Einzelteilfabriken zugelassen. Für das Jahr 1946 ist die Produktion von etwa 1 Million Rundfunkempfänger geplant, von denen 400.000 für den Export bestimmt sind. (Vor dem Kriege waren die entspr. Zahlen jährlich durchschnittlich 1,4 Millionen und nur 66.000 für Export.) Es ist vorgesehen, daß 50 % des Wertes für den engl. Eigenbedarf von Geräten bestritten wird, die Preise von £ 15 (RM 600,–) und darunter haben. Da Hölzer für Gehäuse nur beschränkt greifbar sind, wird man hauptsächlich Preßstoff verwenden.


9.     Irlands ältester Amateur, M. J. C. Dennis, EI2B, ist jetzt gestorben. Sein erster Funksender wurde 1910 unter dem Rufzeichen DNX lizenziert. Im ersten Weltkrieg benutzte die britische Marine ausschließlich den Dennis-Detektor (Tellur-Zinkit).


10.     Im März des Jahres wird die IEE (Institution of Electrical Engineers) eine 3-tägige Radar-Convention abhalten. Während Veröffentlichungen in England anscheinend bis zu dieser Convention aufgeschoben werden, beschreiben amerikanische Zeitschriften offen Einzelheiten, die in England noch unter „Geheim“ laufen.


11.     Während die BBC sich den Hellschreiber frühzeitig sicherte und damit Aussendungen des offiziellen deutschen Zeitungsdienstes überwachte, wurde das Magnetofon erst nach Kriegsende erbeutet und obwohl das Prinzip bekannt war, fand die Ausführung der AEG hohe Anerkennung, besonders was die Tonqualität (bis 15 kHz) anbelangt. Auch das von der IG-Farben gelieferte Aufnahmematerial wurde in Bezug auf Billigkeit und Biegsamkeit gelobt.


12.     In den letzten Kriegsjahren wurden Wetterbeobachtungen von Unterwasserstationen weit draußen im Atlantik angestellt und mit Richtstrahlern auf Kurzwelle nach Deutschland gesendet, wie die britische Admiralität bekanntgab. Eine der in betriebsfertigen Zustand erbeuteten Stationen wurden der britischen Admiralität zerlegt zugestellt. Sie war etwa 100 m lang und entheilt außer nautischen- und Kraftanlagen automatisch zu Programmzeiten ausfahrbare Masten, die die Beobachtungsinstrumente und die Richtstrahler trugen.


13.     Es sind Bestrebungen im Gange, die kommerzielle Röhre RV12P2000 als neue Einheitsröhre zu erklären, da davon in Deutschland noch große Mengen vorhanden sein sollen. Wegen ihres niedrigen Heizstromes von 75 mA läßt sie sich gut in Allstromschaltungen verwenden. Bei Wechselstrom lassen sich 1–5 Röhren in Serie ohne Änderung über etwa 1,1 µF heizen. Einige Fabriken sollen bereits serienmäßige Geräte damit bauen, so u. a. die Firma Seibt.


14.     Ein OM aus Flensburg schreibt: „In dem Namen ‚NARC‘ stört uns nach unserem Schönheitsempfinden das Wort ‚Radio‘ und vor allen Dingen ‚Club‘. Das Wort ‚Verein‘ hört sich auch so spießig an – also schlagen wir dagegen vor – ‚Verband Norddeutscher Kurzwellen-Amateure‘ (VNKA) oder so ähnlich.“ Wie denken die anderen OM darüber?

Dazu ist zu bemerken: Der Vorschlag „NRAC“ wurde von einigen alten OM eingebracht und gutgeheißen um der Mentalität der genehmigenden Behörde entgegenzukommen, da er für diese bekannte Begriffe bietet. Ein vielleicht zu ertragendes Zugeständnis.

Um Meinungsäußerungen wird gebeten.


73 Mü.


Ende des Z 3 vom 03.03.1946

Abschrift und Archiv-Bearbeitung: DC7XJ

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